Karl Rittmann - Bürgermeister von Freilassing von 1919 bis 1933 und 1945 bis 1947. Die Stadt Freilassing ist geprägt von den Entwicklungen während seiner Amtszeit - auch unser Ortsverein. Doch neben den Errungenschaften zeugt das Erbe Rittmanns auch für die politische Verfolgung durch die Nationalsozialisten.
Im Rahmen unserer Veranstaltung im September möchten wir einerseits die Geschichte Karl Rittmanns neu aufarbeiten und die politische Verfolgung der Nationalsozialisten hier in der Region beleuchten.
Der Vergangenheit Gedenken bedeutet in der Gegenwart Demokratie zu feiern und sich für unsere soziale Politik einzusetzen. Darum wollen wir gemeinsam mit allen Interessierten diese Feier begehen und laden Sie herzlich zum Festakt Karl Rittmann - Demokratie feiern ein!
„Der frühere Freilassinger Bürgermeister Karl Rittmann (SPD) wäre heuer am 29. Juli 150 Jahre alt geworden. Er war ab Juni 1919 Bürgermeister der damaligen Gemeinde Salzburghofen-Freilassing.
14 Jahre später ergriffen die Nationalsozialisten die Macht und enthoben Karl Rittmann seines Amtes. Die Nationalsozialisten inhaftierten Karl Rittmann in den folgenden Jahren mehrmals. Im Juni 1936 kam er nach 202 Tagen „Schutzhaft" aus dem KZ Dachau frei. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs setzten die US-amerikanischen Besatzer Karl Rittmann wieder als Bürgermeister der zwischenzeitlich in Freilassing umbenannten Gemeinde ein. 1947 trat er aus eigenem Willen nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters an. Karl Rittmann kam am 29. Juli 1876 in der Nähe von Löbtau zu Welt. Löbtau ist heute ein Stadtteil von Dresden. Am 1. Mai 1912 wurde Karl Rittmann als Geschäftsführer der Konsumgenossenschaft nach Salzburghofen versetzt. Kurz darauf erfolgte unter seiner Mitwirkung die Gründung des SPD-Ortsvereins.
Karl Enzinger beschreibt in seinem Buch „Freilassing - Geschichte einer jungen Stadt" sehr anschaulich die Umstände und Rahmenbedingungen, unter denen Karl Rittmann 1919 Bürgermeister geworden war. Demnach bildete sich in Freilassing durch die Eisenbahn und die ersten Industriebetriebe die Arbeiterschaft als zusätzliche Bevölkerungsschicht, die die Basis für ein politisches Gegengewicht zum konservativen Bauern- und Handwerkerstand stellte. Bei der Gemeindewahl 1919 durften erstmals auch Frauen wählen, außerdem wurde der Gemeindeausschuss in Gemeinderat umbenannt. Die Sozialdemokraten errangen damals die absolute Mehrheit, das war mitten im konservativ geprägten Rupertiwinkel eine Besonderheit. Ab 1925 war Karl Rittmann Berufsbürgermeister und führte die Geschäfte der Gemeinde bis 1933. In dieser Zeit wurde kräftig investiert, wie Karl Enzinger in seinem Buch ausführt. Unter anderem wurden 1925 das neue Krankenhaus und 1927 das Feuerwehrhaus (heute Stadtmuseum) in Betrieb genommen, 1927 Wiedereröffnung der Überfuhr am Saalachspitz, 1928 fand die Eröffnung des Schwimmbads Brodhausen statt, die Gemeinde gab einen Zuschuss an den Vinzentiusverein für den Bau des ersten Kindergartens Freilassings und 1930 war die Eröffnung der gemeindlichen Sparkasse. In die Zeit von Karl Rittmann als Bürgermeister fiel auch die Umbenennung der Gemeinde Salzburghofen in die Gemeinde Freilassing im Jahr 1923.
Der SPD-Ortsverband will Karl Rittmann im Herbst dieses Jahres mit einer Feier würdigen und seiner Verdienste gedenken.“ (Artikel des Stadtjournals Freilassing, Ausgabe Juni/Juli/August 2026)